08.Februar 2010

geändert: Marie Katharina 08.02.2010 um 22:03 Uhr
» Eine heiße Sommernacht
Liebesgeschichte zum Valentinstag.
„Ahhhh! Autsch! Uaaahhhh. Mist!“
Diese Geräusche kamen aus meinem Nachbargarten. Neugierig warf ich einen Blick über den nicht vorhandenen Zaun. Herr Rauschenbach hielt sich den Nacken.
Außer, dass er verdammt gut aussah, wusste ich nichts über ihn. Am Klingelschild stand: Richard und Samanta Rauschenbach. Sie waren das ganze Jahr über nicht da. Das heißt, seit Sommeranfang, vor genau zwei Wochen, sonnten sie sich jeden Tag draußen im Garten.
„Haben Sie ein Problem? Kann ich Ihnen helfen?“, rief ich nach drüben und machte mich auf den Weg in seine Richtung. Was für ein Mann dachte ich! Er trug enge Röhrenjeans. Sein muskulöser Oberkörper war nackt und braun gebrannt. Waschbrettbauch. Der Dreitagebart gab ihm einen Hauch Verwegenheit.
„Wespe! Wespenstich!“, stöhnte er. Ich flitzte in meinen Garten zurück, pflückte einige Huflattichblätter, die im Schatten einer Steinmauer wuchsen, und eilte nach nebenan.
„Oh Verdammt! Sammy hat da immer so ein Mittel ...“
„Wo ist sie? Ist sie drin? Hallo Frau Rauschenbach?“
„Nein, die ist auf Landgang!“
„Wie?“
„Ach, sorry, ich meine, sie ist in die Stadt gefahren.“
„Darf ich mal sehen?“ Er hockte sich auf die Liege. Ich wühlte mich durch seine lange rotbraune Löwenmähne, die weit bis über den Rücken reichte. Der Einstich war bereits geschwollen und rot. Ich zerrieb den Huflattich in der Hand und legte den Blätterbrei auf die Stelle im Nacken.
„Halten Sie es einige Minuten auf den Stich“, riet ich ihm und hockte mich ihm gegenüber ins Gras.
„Mein Name ist übrigens Rick.“
„Ich bin Caro.“
Wir gaben uns die Hand.
„Wow, das gibt’s ja nicht!? Der Schmerz hat sofort nachgelassen!“ Was ist das? Ein Zaubermittel?“
„Huflattich. Es wird gleich gut sein.“
Als er lächelte, blitzen makellose Zähne auf.
„Du hast heilende Hände. Ich danke dir.“
Seine Stimme klang rau und gleichzeitig weich. Ich blickte in grüne Augen und spürte gewaltige Schmetterlinge im Bauch. Es wäre besser ich würde mich verziehen, dachte ich, bevor ich den Verstand verliere. Ich hatte das Gefühl, ihn schon immer zu kennen. Sein Duft, dieses verführerische Aroma von Moschus, Sandel, Freiheit und Abenteuer betörte mich. In diesen starken Armen möchte ich für eine Weile die Zeit vergessen. Er schien meine Gedanken zu lesen. Mit der einen freien Hand zog er mich zu sich heran, küsste mich. Erregt und zu allem entschlossen erwiderte ich den Kuss. Wir lagen im Gras. Er streichelte mich. Seine festen warmen Hände schoben sich an meinen Oberschenkeln weiter nach oben. Er warf den Kopf in den Nacken und stöhnte lächelnd, als er merkte, dass ich keine Unterwäsche unter dem Sommerkleid trug. Wieder trafen sich unsere Lippen zu einem langen Kuss. Die Terassentür klappte.
„Deine Frau!?“
„Das ist nur Sammy“, sagte er. Ich geriet in Panik. Flucht! Zu spät. Da stand sie auch schon im Garten.
„Hi, Rick, oh Verzeihung, ich wollte nicht stören.“
Und weg war sie wieder.
„Sie wird ihren Revolver holen und mich erschießen“, sagte ich.
Rick lachte, stand auf. Wir rückten unsere Kleidung zurecht. Bedauern, lag in seinem Lächeln.
„Wir sollten zusammen etwas trinken. Sammy, wenn du mal kommst? Ich möchte dir Caro vorstellen. Ich hatte einen Wespenstich und sie hat mir das Leben gerettet.“
„Hallo Caro, das ist nett das Sie sich um Rick gekümmert haben. Männer können ja so wehleidig sein! Darf ich Ihnen ein Glas eisgekühlten Apfelwein anbieten?“
„Caro, das ist Sammy, meine Zwillingsschwester. Wir sind seit 33 Jahren unzertrennlich“, sagte er.
Nun musste ich lachen. Wir tranken Wein. Beide erzählten von ihrer Arbeit als Seeleute. Sie waren das ganze Jahr über auf Fahrt, und diesen Sommer verbrachten sie den Urlaub zu Hause. Mitternacht war vorbei und es wurde Zeit für mich zu gehen.
„Ich danke euch für den netten Abend. Schade, dass ihr so selten da seid.“ Dabei sah ich Rick sehnsüchtig an. Er konnte die Augen nicht von mir lassen. Rick grinste und sagte: “Ich bringe Caro nach Hause.“
Er legte den Arm um meine Schulter und wir wussten, dass diese Nacht uns gehören würde.
Nicht nur diese eine Nacht. Eine Wespe verhalf uns zu unserem Glück. Wir segelten nicht nur in den Hafen der Ehe, sondern sind von nun an, gemeinsam auf Fahrt.
Fremde Häfen, fremde Länder, aber nur bei ihm, bin ich zu Hause, ganz gleich, wo Wellen und See uns an Land spülen.
- Thema
- Familie & Freunde
- Schlagworte:
- Valentinstags-Special

